Mittwoch, 28. Dezember 2016

Mascha Kaleko (1907-1975)

http://wiki.aki-stuttgart.de/mediawiki/index.php/Hauptseite#Spuren_suchen_-_Spuren_finden_-_29.12._16_Uhr
lesung in herrenberg

s.a.

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>>>> Sozusagen grundlos vergnügt
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>>>> Ich freu` mich, dass am Himmel Wolken ziehen
>>>> und dass es regnet, hagelt, friert und schneit.
>>>> Ich freu` mich auch zur grünen Jahreszeit,
>>>> wenn Heckenrosen und Holunder blühen.
>>>> - Dass Amseln flöten und dass Immen summen,
>>>> Dass Mücken stechen und dass Brummer brummen.
>>>> Dass rote Luftballons in`s Blaue steigen.
>>>> Dass Spatzen schwatzen und dass Fische schweigen.
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>>>> Ich freu` mich, dass der Mond am Himmel steht
>>>> und dass die Sonne täglich neu aufgeht.
>>>> Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter.
>>>> Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter.
>>>> Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehen.
>>>> Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehen!
>>>> Ich freue mich, das ist des Lebens Sinn.
>>>> Ich freue mich vor allem, dass ich bin.
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>>>> In mir ist alles aufgeräumt und heiter.
>>>> Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
>>>> An solchem Tag erklettert man die Leiter.
>>>> Die von der Erde in den Himmel führt.
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>>>> Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,
>>>> - Weil er sich selber liebt - den Nächsten lieben.
>>>> Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne
>>>> Und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
>>>> Dass alles so erstaunlich bleibt und neu!
>>>> Ich freu` mich, dass ich...dass ich mich freu.
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>>>> Mascha Kaleko
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>>>>> Jage die Ängste fort
>>>>> und die Angst vor den Ängsten.
>>>>> Für die paar Jahre
>>>>> wird wohl alles noch reichen.
>>>>> Das Brot im Kasten
>>>>> und der Anzug im Schrank.
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>>>>> Sage nicht mein.
>>>>> Es ist dir alles geliehen.
>>>>> Lebe auf Zeit und sieh,
>>>>> wie wenig du brauchst.
>>>>> Richte dich ein.
>>>>> Und halte den Koffer bereit.
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>>>>> Es ist wahr, was sie sagen:
>>>>> Was kommen muss, kommt.
>>>>> Geh dem Leid nicht entgegen.
>>>>> Und ist es da,
>>>>> sieh ihm still ins Gesicht.
>>>>> Es ist vergänglich wie Glück.
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>>>>> Erwarte nichts.
>>>>> Und behüte besorgt dein Geheimnis.
>>>>> Auch der Bruder verrät,
>>>>> geht es um dich oder ihn.
>>>>> Dein eignen Schatten nimm
>>>>> zum Weggefährten.
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>>>>> Feg deine Stube wohl.
>>>>> Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
>>>>> Flicke heiter den Zaun
>>>>> und auch die Glocke am Tor.
>>>>> Die Wunde in dir halte wach
>>>>> unter dem Dach in Einstweilen.
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>>>>> Zerreiß deine Pläne. Sei klug
>>>>> und halte dich an Wunder.
>>>>> Sie sind lang schon verzeichnet
>>>>> im großen Plan.
>>>>> Jage die Ängste fort
>>>>> und die Angst vor den Ängsten.
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>>>>> Mascha Kaléko

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