Sonntag, 29. März 2015

Lore Krueger (1914-2009)

> Krüger, Lore - DNB, Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
> http://d-nb.info/gnd/136832792. Person, Krüger, Lore.
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>> Die C/O-Galerie zeigt erstmals Fotografien von Lore Krüger. Die Bilder aus
>> dem Nachlass erzählen viel über eine wechselvolle deutsch-jüdische
>> Biografie.
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>> Es ist eine dieser Koffergeschichten, die man eigentlich nicht glauben
>> möchte, so viel steckt drin. Beim Auspacken des Kofferinhaltes rollt sich
>> ein Leben auf, verbunden mit einer Odyssee durch viele Länder und einer
>> jüdischen Exilbiografie - und zum Vorschein kommt dazu ein Konvolut von
>> erstaunlichen Fotografien. 250 Fotos einzeln in Küchenpapier verpackt,
>> zwischen 1934 und 1944 entstanden, bislang waren sie nicht an die
>> Öffentlichkeit gelangt.
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>> Nicht ganz ungewöhnlich, dass Felix Hoffmann, Kurator der C/O-Galerie,
>> Nachlässe angeboten werden, die er auf Qualität und Bedeutung prüfen soll.
>> So war es auch bei Ernst-Peter Krüger, 68, der vor etwa zwei Jahren mit
>> unscheinbarem Reisegebäck aus den 70er-Jahren bei Hoffmann im damaligen
>> Postfuhramt auftauchte. Die Mappen mit den Fotografien seiner Mutter Lore
>> Krüger, Jahrgang 1914, waren mit Gurten fixiert, erinnert sich Hoffmann.
>> Ansonsten war "alles Kraut und Rüben", also unsortiert, der Fotoexperte
>> musste sich erst einen Überblick verschaffen. Lore Krüger? Der Name sagte
>> ihm gar nichts.
>>
>> Nun hängen die Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus dem Koffer "jungfräulich" im
>> oberen Stockwerk der C/O-Galerie, die zentrale Schau neben "Blow Up" und
>> "Nina Vatanen" im neuen, clever zusammengestellten Ausstellungsreigen im
>> Amerika-Haus. Krügers Fotografien sind Unikate, Negative gibt es nicht mehr.
>> Ein Glücksfall für C/O - hier verbinden sich deutsch-jüdische Biografie und
>> künstlerische Vita mit Berliner Familienbezug. 2009 starb Lore Krüger, die
>> an der Karl-Marx-Allee gewohnt hat. Ihr Sohn lebt am Rande der Stadt.
>>
>> London, Mallorca, Barcelona, Paris
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>> Ihre Familie kommt aus Magdeburg und entschließt sich 1933 das Land zu
>> verlassen. Es folgen die Stationen London, Mallorca, Barcelona, Paris. Die
>> Eltern werden sich später in Mallorca umbringen, aus Furcht vor der
>> Internierung. Auch deren Abschiedsbrief fand Hoffmann im Koffer.
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>> Die 20-Jährige Lore fängt in Paris an, Unterricht zu nehmen bei der
>> Fotografin Florence Henri, die am Bauhaus beim umtriebigen László
>> Moholy-Nagy in Deutschland Fotografie studiert hat. Der Einfluss der
>> Bauhaus-Ästhetik in den frühen, 1935 entstanden Fotos ist nicht zu
>> übersehen.
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>> Krüger experimentiert ganz im Stil des "Neuen Sehens", dazu gehören
>> Fotogramme, Doppelbelichtungen und wunderbare, sehr kunstvoll arrangierte
>> Stillleben: kontraststark, grafisch und transparent zugleich. Weintrauben,
>> ein gefüllte Wasserbecher und ein Pfirsich daneben - das Licht bekommt
>> haptische Qualität, bricht sich im Glas, strahlt durch die Beeren hindurch
>> und "erleuchtet" die samtene Pfirsichhaut.
>>
>> Sozialreportage über Sinti- und Romafamilien
>>
>> Ganz anders dagegen ihre Sozialreportage über Sinti- und Romafamilien, die
>> sie 1936 im Auftrag einer US-Agentur in der Camarque macht. Eine stillende
>> Mutter mit dem Baby an der Brust und ein Vater mit einem behinderten Kind
>> auf dem Arm, derart offensive Motive "kannte man in der Zeit nicht", erklärt
>> Felix Hoffmann.
>>
>> Gleichzeitig studiert Mademoiselle Krüger Marxismus an der Freien
>> Deutschen Hochschule, 1938 lernt sie ihren späteren Mann Ernst Krüger
>> kennen, einen deutschen Kommunisten. Mit dem deutschen Einmarsch in
>> Frankreich 1940 wird sie von den Behörden zur "feindlichen Ausländerin"
>> erklärt und im Süden des Landes interniert. Nach der Freilassung will sie
>> über Marseille nach Mexiko auswandern.
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>> Ohne Papiere ein Wagnis, die Angst vor Razzien und der Gestapo muss
>> höllisch gewesen sein. 1941 erhält sie ein Visum, doch auf dem Weg nach
>> Mexiko wird der Frachter gekapert. Nach Umwegen landet sie 1941 in New York,
>> heiratet dort ein Jahr später. Die Küche funktioniert sie zum Fotolabor um.
>> Offenbar war sie gut im Geschäft, wie im Katalog zu lesen ist. Ein Shooting
>> bei einer Pariser Fotografin galt als chic.
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>> Sie nahm die Kamera nicht mehr in die Hand
>>
>> Nach dem Krieg gehen beide, weil sie an den Kommunismus glauben, zurück
>> nach Berlin, wählen als Wohnsitz die sowjetische Besatzungszone. Für den
>> Aufbau Verlag übersetzt Lore Krüger Bücher aus dem Englischen. Wer in der
>> DDR aufgewachsen ist, der wird bei Büchern wie Tom Sawyer ihrem Namen schon
>> begegnet sein.
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>> Warum sie aber die Kamera nicht mehr in die Hand nahm, darüber kann man
>> nur spekulieren. Es heißt, Lore Krüger hätte Diphtherie gehabt und in Folge
>> der Erkrankung sei ihr der Fotoapparat zu schwer gewesen.
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>> Vermutlich eine Schutzbehauptung, meint Hoffmann, typisch für viele
>> Exilbiografien. "Die Menschen haben auf der Flucht so viel gesehen, sie
>> haben unvorstellbare Bilder im Kopf. Da war es oft eine bewusste
>> Entscheidung, keine Fotos mehr zu machen." "Wir wussten nur, dass die Fotos
>> ihr sehr viel bedeuten", meint ihr Sohn Ernst-Peter Krüger. "Aber unsere
>> Eltern haben über die Vergangenheit nicht viel gesprochen, vielleicht, weil
>> sie sie verdrängen wollten."
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>> C/O-Galerie, Amerika Haus, Hardenbergstrasse 22. Katalog: 29,80 Euro.
>> Täglich 11-20 Uhr. Bis 10. April.
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>>> http://mobil.morgenpost.de/kultur/berlin-kultur/article136730484/Eine-Entdeckung-in-Berlin-Ein-Koffer-voller-Fotos.html
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